Paradigmenwechsel in der Behandlung von Fleisch als Grundnahrungsmittel

„Tierwohl gibt es nicht zum Nulltarif“ so Ministerin Klöckner, das Ende für Fleisch als Grundnahrungsmittel ist absehbar. Mit der Agrarwende und dem Tierschutz gerät auch der finanziell Schwache in den Fokus von Parteien und Interessensverbänden. Wieviel ist ein „gesundes Maß“ tierischen Eiweißes pro Woche?

Das Fleisch als Grundnahrungsmittel hat in der Zukunft keine große Lobby mehr. Die derzeit diskutierte Erhöhung von 7% auf 19% Umsatzsteuer ist der zahlenmäßige Beweis, dass Fleisch den Status als Grundnahrungsmittel aberkannt bekommt und nur noch allgemein als Nahrungsmittel behandelt wird. Noch ist dieser Vorschlag nicht in Stein gemeißelt aber die Fahrtrichtung steht fest. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner appelliert an die Vernunft und gewissermaßen unser Verständnis und somit unsere Menschlichkeit. Natürlich ein Hohn dieser Begriff, denkt man an die verstörenden Bilder, welche die unwürdige Tierhaltung anprangern und Schlachtbetriebe, in denen keinerlei Demut vor dem Leben erkennbar ist. Mit solchen Bildern ist es selbstverständlich ein Leichtes, die Zustimmung für Veränderungen von der Bevölkerung zu bekommen, selbst, wenn es an die Geldbörse geht. Die allermeisten von uns wünschen sich ein Ende solcher Verhältnisse und stimmen wie auch die Umfragen derzeit bestätigen in der Mehrheit einer angekündigten Preiserhöhung zu.

Für den Metzger ist dies eine nicht unbedeutende Information, denn die Weitergabe der Steuererhöhung an den Kunden lässt sich nicht vermeiden. Viele sind am Anschlag, wohlklingende Umsätze von einer Million EUR und mehr können über anfallende Steuern, Personal- und Lohnnebenkosten, Mieten etc. nicht hinwegtäuschen. Bleibt der Preis für die Leberwurst wie zuvor, zahlt der Metzger dies aus eigener Tasche. Psychologische Preise wie 1,99 EUR für 100 gr. Wurst sind bei der Preisauszeichnung dann einfach nicht möglich für dasselbe Gewicht.

Selbstverständlich trifft die Erhöhung den ALGII-Empfänger, den Geringverdiener und Aufstocker ebenso wie die in Teilzeit arbeitende Alleinerziehende, im Volksmund gern als Prekariat bezeichnet, damit sie nicht merken, wenn wir über sie sprechen. Sie werden als Kunden sicher noch genauer schauen, welche Ware sie kaufen und wie oft sie sich das werden leisten können. Ihr Anteil ist nun mal größer als nackte Arbeitslosenzahlen und geschönte Quoten uns vermitteln wollen. Die Frage, wieviel Fleisch respektive tierisches Eiweiß wir in unserer Ernährung wirklich „brauchen“ und ab welchem Punkt es ungesund erscheint, wird schon länger kontrovers diskutiert. Ernährungsexperte trifft auf Veganer trifft auf Tierschützer trifft auf Politiker, die Interessen gehen teilweise ebenso weit auseinander wie die Kompetenzen, Meinungen und Ideale dieser Menschengruppen.

Die wenigsten von uns haben mit der Erhöhung ein Problem, sofern wirklich sichergestellt werden kann, dass dieser Mehrbetrag tatsächlich dem Tierwohl zu Gute kommt. Selbst von der ärmeren Bevölkerung wird bereitwillig Verzicht geübt bzw. dieser etwas höhere Preis gern gezahlt, sollte das Tier per se dafür weniger leiden. Dummerweise sind derlei Steuern nie zweckgebunden und die Gefahr, dass sich für die Tierhaltung und -schlachtung nichts ändert ist ebenfalls groß.

Bei dem Thema Auto und Klimawandel lässt sich die Zustimmung nicht so leicht bewerkstelligen. Die Wünsche unserer Politiker und der Industrie haben wenig Realitätsbezug. Zielvorgaben und tatsächliche Begebenheiten klaffen weit auseinander. Zum einen haben die Wenigsten mal eben 60 tausend EUR für ein elektrisch betriebenes Fahrzeug übrig und zum anderen sind wir aufgrund fehlender Ladestationen, geringer Reichweiten und langer Ladezeiten wegen in der Masse nicht bereit dafür. Ebenso existieren zum Thema Abgase keine solch verstörenden Bilder wie auf der Zigarettenpackung, welche den Autofahrer direkt als bösen Umweltkiller entlarven und somit auch nicht zur Abschreckung dienen können, um möglichst zügig die Elektromobilität in Fahrt (Achtung Wortspiel) zu bringen.

Beim Thema Fleisch sieht das anders aus. Die Zahl derer, die den Fleischesser gern zu einer Persona non grata formen möchten, wächst proportional mit der Zahl der Klimaschutzaktivisten und Tierschützer.

Bei Pelzträgern hatten die Aktivisten es leicht gehabt, die öffentliche Meinung zu manipulieren und eine große Mehrheit gegen vornehmlich Pelz tragende Frauen aufzubringen. Zumal die hierbei gern vorgeführte Schickimicki Gesellschaft mit ihrem arroganten Auftreten sich selbst zerlegt hat. Bilder und noch mehr Videos von brutal abgeschlachteten Robben wirken ebenso verstörend wie solche von schwarzen Schafen in dem ein oder anderen Schlachtbetrieb, wo es eben nicht korrekt zugeht. Da stehen wir alle schnell zusammen und verurteilen derlei Vorgehen scharf. Nicht nur der Veganer wird bei derlei Bildern schnell radikal in Anschauung und Verhalten.

Gegen den respektvollen und dankbaren Umgang mit Fleisch und dem Tier, welches sein Leben dafür gibt, kann der Verbraucher sich am Ende gar nicht stellen. Der bewusste Umgang mit und Genuss von Fleisch ist auch im Hinblick auf die eigene Gesundheit in den Augen von regiowelt ein erstrebenswertes Ziel. Gesunde Tiere und artgerechte Haltung mit dem richtigen Futter führen zu höherwertigeren und gesünderen Fleischprodukten. Geiz ist nicht geil, sondern des Öfteren auch dumm und kurzsichtig. Billige Massenproduktion schadet unserem Klima und unser aller Gesundheit. Wenn Sie tatsächlich durch bewussten Konsum und Verzicht etwas erreichen möchten, sollten sie bei ihren regionalen Metzgern vorbeischauen, wo das Handwerk zelebriert, auf Qualität und Nachhaltigkeit geachtet und das Fleisch nicht um den halben Erdball transportiert wird. Der Metzger von heute wird für die Zukunft weit besser gerüstet sein, wenn er seine regionalen Besonderheiten hervorhebt und diese richtig vermarktet. Der Verbraucher entscheidet am Ende in welche Richtung der Zug fährt: ist es die „Hauptsache-billig-Mentalität“, dann fördern wir so noch Billigimporte aus dem benachbarten Ausland. Hier hilft dann nur noch Aufklärung und der Weg aus unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit heraus, Kant mag wenig gelesen werden in unserer Zeit, ungebrochen aktuell ist und bleibt seinTraktat über die Aufklärung.  –  Markus Kukla

Ja, ich möchte noch nachhaltiger produzieren und gern das regiowelt Konzept kennenlernen!

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