Corona und kein Ende

Gipfel besteigen

Die derzeitige Lage, eine absolute Ausnahmesituation, bestimmt aktuell die Themen. Allerorts wird informiert, mancherorts bewusst Panikmache betrieben, mehrheitlich jedoch wird eine gute Informationspolitik gefahren. Der Podcast mit Deutschlands bekanntesten Virologen, Prof. Dr. Christian Drosten, Institutsdirektor bei der Charité in Berlin, ist neben den täglichen Informationen aus der Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts (RKI) die beste und seriöseste Informationsquelle, die man sich vorstellen kann. N-TV und Tagesschau24 liefern hier guten Content, abends bei den Öffentlich-Rechtlichen größtenteils gut aufbereitet. Alle anderen wiederholen nur deren Aussagen, mal mehr, mal weniger genau. Diverse Videos der Bild-Reporter, besonders auf youtube, kann man nur als verbale Diarrhö klassifizieren.

Von Klopapier, Mundschutz und Desinfektionsmittelverkäufern sowie dem Lebensmittelhandel mal abgesehen, bleibt kaum eine Branche von starken Umsatzrückgängen bis zu Totalausfällen verschont. Wirtschaftlich wird der entstehende Schaden über Jahre spürbar sein. Vergleiche mit der Bankenkrise hinken gewaltig, denn jetzt sind alle betroffen, zudem waren es die pure Geldgier und hochspekulative Geschäfte dieser Häuser, die uns jene Probleme beschert hatten, heute ist es ein Virus, bei dem sich manche, zugegeben nicht ganz zu Unrecht fragen, wieso der auch schon wieder aus China kommt.

Hier bildet sich bei nicht wenigen Menschen schnell ein gegen den Chinesen gerichteter Rassismus aus, denn ein Schuldiger muss ausgemacht werden und viel Verständnis kann dieses Volk bei dem Verzehr von Fledermäusen, Schleichkatzen und anderem Getier auch nicht erwarten, von Menschen, die sich davor ekeln. Bilder auf den Märkten und Imbissständen an den Straßenrändern in China und Südostasien mit desaströsen Hygienebedingungen, lassen unsereins nur noch den Kopf schütteln und allein vom Zusehen schon krank werden.

Seien Sie dennoch vorsichtig mit Beschuldigungen gegen ein ganzes Volk, nur weil es eine andere Lebensweise pflegt. Einen wirklich Schuldigen an dieser Pandemie wird man mangels glasklarer Beweislage und -führung eh kaum finden dürfen. Gefühlt jedoch ist für viele der Chinese in Wuhan der Schuldige.

Die Unbeschwertheit, die leider ziemlich egoistisch von der mehrheitlich jüngeren Generation auf der Straße zelebriert wird und immer wieder dieser Tage im TV für absolutes Kopfschütteln sorgt, weil diese sich wenig an die Empfehlungen und Regeln halten, lässt verschiedene Schlüsse zu:

  1. Zu dumm und unerfahren, die ganze Tragweite zu begreifen (sehr wahrscheinlich jugendliche Unbekümmertheit)
  2. Hört und sieht keine Nachrichten und/oder versteht sie nicht
  3. Ist derart narzisstisch geprägt, dass alle anderen egal sind und selbst der Tod bei den schwachen und vorerkrankten Mitgliedern in unserer Gesellschaft in Kauf genommen wird.
  4. Unbedingt cool und anders sein, die Youtube-Generation mit ihren Influencern zeigt hier drastisch, dass nicht jede Form der Digitalisierung zu unserem Vorteil gereicht, sondern einer rohen Verdummung kräftig Vorschub leistet. Das Gefühl für Grenzen, Solidarität, Empathie und Anstand, kurz, für das RICHTIGE wird in deren Köpfen völlig verwischt. Der Staat aus deren Sicht ist per se unfähig oder korrupt und will allen nur Böses. Das denken scheinbar viele von denen, wenn sie es überhaupt tun. Zum Glück gibt es aber auch in dieser Altersschicht noch genug andere, die es begriffen haben.

Und genau diesen unbeschwerten Menschen auf der Straße ist es auch zu verdanken, dass die Ausgangssperre sehr bald deutschlandweit umgesetzt werden wird, sofern die exponential verlaufende Ansteckungskurve sich nicht deutlich abflacht. Das Verhalten auf den Straßen und Plätzen in den kommenden drei Tagen wird dies bestimmen. Ich muss zugestehen, dass unsere Politiker mehrheitlich ein gutes Krisenmanagement betreiben, Herrn Söder hätte ich das vorher im Leben nicht zugetraut aber seine täglichen Ansprachen verfangen gut und er hat absolut recht mit allem, was er bisher gesagt und umgesetzt hat. Das hätte ich so nicht erwartet.

Viele Metzger bieten derzeit in ausgedehnter Form einen Lieferdienst an und bringen frisch gekochtes Essen und Fleischwaren zu den Kunden und zeigen sich überaus einfallsreich dabei, den direkten Kontakt mit den Kunden dabei zu vermeiden. Sie zeigen sich damit nicht nur geschäftstüchtig, sondern bieten vor allem den Schwächeren somit einen tollen Service. Danke!

Warum sich Menschen wie im TV zu sehen war, Klopapier aus den Händen reißen und dabei gewalttätig werden, habe ich noch nicht verstanden. Es herrscht in einigen Köpfen wohl gerade das Kriegsrecht, die Märkte sind insgesamt gut gefüllt und werden immer wieder neu beliefert. Muss man sich da um Klopapier und Mehl schlagen? Steht dieses Papier symbolisch für etwas? Kann man damit mehr anstellen als mir bekannt ist? Basteln sich die Menschen daraus Masken oder ist deutlich mehrlagiges Klopapier das neue Statussymbol für Wohlstand in diesem Land?

Wenn der gute teure Single Malt nicht mehr erhältlich wäre, ich hätte das weit eher verstanden. Aber Klopapier in rauen Mengen daheim zu horten, diesen Sinn versteht wohl nur der typisch Deutsche. Vermutlich haben es einige vorgemacht und über die Medien wurde dann ein falsches Signal des Mangels suggeriert, welches, ob seiner Absurdität jetzt nur für Heiterkeit sorgt. Lustige Bilder und Videos zu diesem Thema werden zuhauf über WhatsApp und ähnliche Kanäle verbreitet und lassen uns Schmunzeln.

Mehr Solidarität und Empathie ist gerade in diesen Tagen aber gefragt und manch einer tut für seine Mitmenschen das Beste, in dem er nichts tut und zuhause bleibt, wenn er nicht zum Personal in entsprechenden Berufen zu zählen ist, welches sich nun für die Bewältigung der Krise und Betreuung der Kranken massiv einsetzt. Haltet Abstand und schaut, an welcher Stelle praktische Hilfe für Hilfsbedürftige wie Einkaufs- und Lieferservice und ähnliches möglich ist. Ansonsten versucht doch mal, euch selbst neu zu entdecken, das kann echt spannend und erhellend sein. Wer immer noch nicht verstanden hat, warum die Verbreitung des Virus mit allen Mitteln verhindert werden muss, nun, der kann umgekehrt auch kein Verständnis erwarten. Es ist grundlegend falsch, immer zu denken, auf einen selbst käme es ja nicht an. Ganz ähnlich wie bei der Ausrede, weshalb Personen nicht Wählen gehen. Es kommt auf jeden Einzelnen an. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen, in einer solchen befinden wir uns und müssen sehen, das jeder einzelne von uns damit klar kommt, ohne andere Menschen dabei zu kompromittieren. Wir dürfen noch deutlich Schlimmeres erwarten, bevor es wieder besser wird.

Solidarität ist der treibende Motor einer intakten humanen Gemeinschaft.

Wir wünschen allen Freunden und Lesern unserer Seiten eine gesunde Gelassenheit im Umgang mit der Krise. Bleiben Sie wachsam und vor allem bleiben Sie gesund.

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