Ökopopulismus oder sinnvolle Maßnahmen?

Kühe im Sonnenuntergang

Während Corona auch vor Schlachthöfen nicht haltmacht und diese gewissermaßen erneut unfreiwillig in den Focus der Öffentlichkeit gerückt wurden, weil die Ansteckungsrate an diesen Orten sprunghaft anstieg, wird zeitgleich auch wieder eine Tierwohlabgabe diskutiert. Namen wie Sondersteuer auf Billigfleisch und ähnliches lassen sich leicht finden. Sie soll, geht es nach dem Willen der CSU, über die Mehrwertsteuer erhoben werden. Passt doch gut zur derzeitigen Mehrwertsteuersenkungskampagne für das kommende halbe Jahr, nicht wahr? Hier hat die Partei ja völlig Recht (dass ich das mal sagen würde), Billigfleisch ruiniert das Metzgerhandwerk und die Landwirtschaft.

Und machen wir uns doch bitte nichts vor: der Durchschnittsdeutsche und damit die überwiegende Mehrheit, ist dermaßen discounterverwöhnt, sie kauft nicht oder selten beim Metzger und im Bioladen ein. Wir wollen das immer gern ändern und bei entsprechenden Sendungen im TV heucheln wir Betroffenheit, jedoch folgt das Verhalten nicht der Einsicht. Kognitive Dissonanz nennt man das mittlerweile nicht mehr nur in Fachkreisen bekannte Phänomen. Am eigenen Geldbeutel macht diese Einsicht eben halt. Und viele Menschen mit geringem Einkommen kann ich nur allzu gut verstehen.

Mit dem Ansatz, Werkverträge für Schlachthöfe zu verbieten, wird sich das Bundesverfassungsgericht dann schwertun, weil es für andere Branchen dann ebenso oder ebenso nicht gelten müsste, schauen wir nur mal die Bauindustrie an. Nun ist zweifellos die „Massenbilligarbeiterhaltung“ in den heruntergekommenen Mietskasernen als schuldige Coronaschleuder auszumachen und der eigentliche Grund für den Skandal. So muss man Corona bei allem Leid noch dankbar sein, wir konnten auch Positives daraus ziehen. Das sind nun schon zwei triftige Gründe für teureres Fleisch in der Zukunft. Greenpeace wollte Anfang des Jahres beides zusammen durchsetzen, und dies nicht der miesen Werkverträge wegen. Ein voller Mehrwertsteuersatz von 19% statt wie bisher 7% und zusätzlich 50 Cent pro gekauftes Kilogramm. Alles für das Wohl der Tiere, ob das Geld da wohl ankommt?

Mittlerweile sind wir auch von Corona überdrüssig und möchten neu geschürten Ängsten gern aus dem Wege gehen. So langsam kommt die Freiheit ja endlich wieder und machte uns die ganze Fragilität und Ohnmacht aber auch Handlungsfähigkeit unseres Systems deutlich. Die eigene Betroffenheit lässt sich auch mit mehr Geld für das Fleisch nicht abstellen und Veganer wird man aus Überzeugung und Idealen, alle anderen mögen den Fleischkonsum und wollen auch nicht darauf verzichten. Liest man sich die Zutatenliste (etwa 20) eines Veggieburgers durch, so mancher Allergiker freut sich schon darauf, ist man durchaus geneigt, solche Gedanken über Bord zu werfen und vielleicht einen Konsumweg à la weniger und dafür besseres Fleisch zu beschreiten. Und gerade die Dinge, die ich nicht jeden Tag habe, bereiten mir dann um so mehr Freude und Genuss wie ehedem der geniale Sonntagsbraten bei der Großmutter – heile Welt.

Programmhinweis:

Montagabend, 08.06. 20:45 – ARD
Thema: Corona im Schlachthof – sind uns Mensch und Tiere Wurst?

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